Berge ohne Tal

Bildschirmfoto 2016-08-20 um 20.24.27Heinz Zak galt als wilder Hund. Das ist in Tirol ein Kompliment. Als junger Extremkletterer turnte der 1958 geborene in den USA, im Kletterhimmel Yosemite im Fels herum, durchstieg schwierigste Routen und brachte diese neue Art zu klettern, das Freeclimbing, in die österreichischen Berge. In den 1980ern fotografierte er die Szene, eröffnete Routen in neuen Schwierigkeitsgraden, seine Actionfotos prägten die Optik der Jahre, als Männer in bunten Leggins und auch mal mit gelbem Frack und rotem Zylinder in senkrechten Wänden hingen. Frauen spielten da eine geringe Rolle. Zak fotografiert noch immer und ist nach wie vor viel in den Bergen unterwegs, gerne in seiner Tiroler Heimat. Sein Bildband „Stubai – Die Berge und das Tal“ dokumentiert dies. Im Gegensatz zu seiner früheren Art zu fotografieren, versammelt sich hier die ganz klassische Bergfotografie. Elegisch, Gipfel in Seen, Blumen in steiler Wand. Das ist durchaus schön anzusehen, aber man bedauert, dass Zak, dem fotografisch schon so viel gelungen war, für das Ablichten von Bergen nicht auch eine neue Bildsprache gefunden hat. Ziemlich viele Seiten widmen sich den sogenannten Stubaier Seven Summits von Zuckerhütl bis Serles. Spätestens da vermisst der Leser eine Karte. Nicht die kleinste Orientierungshilfe findet sich, als richte sich das Buch nur an die von da. Es gibt auch kein Register. Die Texte sind nur Beiwerk, da werden Wanderwege nacherzählt und Berge beschrieben. Dabei porträtiert Zak mit der Kamera Alteingesessene, schade dass sich kein Autor gefunden hat, das in passende Worte umzusetzen. So kommt es zu Schlichtheiten wie solchen Beschreibungen: „Zauberhafte Orte, wo man die Seele baumeln lassen kann.“ Ein Ausflug führt in die wilden Jahre Zaks, als er ausgerechnet im brüchigen Fels der Kalkkögel zu klettern begann. Zak setzt sich dafür ein, das Klettergebiet beim Nachwuchs wieder attraktiver zu machen. Über den bergsteigerischen Tellerrand wird dabei leider nicht geblickt: kein Hinweis auf die seit Jahren erbitterte Debatte um eine Lifterschließung der Region. Und auch das „Tal“ kommt, anders als im Buchtitel angekündigt, schlicht nicht vor. Man kann also nur im Band herumblättern und das Bergweh pflegen. – „Stubai. Die Berge und das Tal“ von Heinz Zak. Verlagsanstalt Tyrolia. Innsbruck Wien 2016. 208 Seiten, zahlreiche Fotos. Gebunden, 34,95 €.

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