Landlust realistisch

Bildschirmfoto 2014-01-04 um 14.27.56Falls die Millionen Leserinnen und Leser von Landlust- und Landliebe-Zeitschriften geglaubt haben sollten, da draußen auf den Höfen und da oben auf den Almen sei das Leben idyllisch, sollten sie einmal dieses Buch zur Hand nehmen. „Traum Alp“ ist ein schönes Buch, mit anschaulichen Reportagefotos und gut zu lesenden Texten. Aber es zeichnet ein ehrliches Bild vom bäuerlichen Leben unter den extremen Bedingungen der Hochalmen. Die Autorin Daniela Schwegler lässt 15 Frauen zwischen 20 und 75 Jahren erzählen, wie sie den Alpsommer mit ihren Tieren, mit Ziegen, Kühen, Rindern, Pferden, Schafen, Lamas und dem Käsemachen erleben. Die langen und harten Arbeitstage auf der Alp gingen an die Substanz, erzählt eine. Eine andere erklärt, es sei „einfach falsch“, das Ganze als Heidilandydille zu verkaufen und so zu tun, als würden auf der Alp alle über dem offenen Feuer käsen „und inbrünstig im Kessi rühren“. Schon die Arbeitszeiten sind alles andere als romantisch. Es kräht noch kein Hahn, wenn etwa Anna Mathis Nesa von der Güner Alp um halb vier aufsteht. Die Berufsbezeichnungen der Älplerinnen reichen von Forstingenieurin und Hirtin über Jägerin, Biologin, Sennin, Shiatsu-Therapeutin, Schafzüchterin, Bäuerin, Polit-Aktivistin. „Alpen ist harte Arbeit“, da sind sie sich einig. Doch jede von ihnen liebt das Draußensein im „stotzigen Gelände“, oder jedenfalls einen Teil davon. Melken, sagt eine der Frauen, sei „einfach eine schöne Arbeit. Der feine Geruch in der Falte neben dem Euter, die Milch!“. Und alle haben wohl in diesem Leben, das den Rhythmen der Natur folgt, etwas gefunden, was ihnen im Tal gefehlt hat. Zu den Alpen – wie Almen im Schweizerischen heißen – gibt es je einen Wandervorschlag und ein Älplerinnen-Rezept. Und wer sich festliest im Buch, stößt immer wieder auf Passagen, in denen die Frauen trotz des selbstgewählten harten Lebens am Ende des Winters im Tal sagen: „Ich will subito wieder auf die Alp!“            
Traum Alp – Älplerinnen im Porträt“ von Daniela Schwegler und Vanessa Püntener (Fotos). Rotpunktverlag. Zürich 2013. 256 Seiten, zahlreiche Fotos. Gebunden, 31,50 Euro.

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